Pressemitteilung vom 18.04.2019 zur Stolpersteinverlegung in der Augustinerstraße in Mainz

Anlässlich der heutigen Stolpersteinverlegung in Mainz wurden auf Betreiben des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) e.V. in der Augustinerstraße vor dem jetzigen Bürogebäude des ism fünf Stolpersteine für die deutsch-jüdische Familie Loewenbaum/Freudenberger verlegt. Die Verlegung geschah vor rund 30 anwesenden Gästen, etlichen Passantinnen und Passanten, sowie Touristengruppen. Unter den Gästen waren neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dem Vorstand des ism auch Vertreter der Stadt, unter anderem Dr. Brian Huck als Ortsvorsteher Mainz-Altstadt, sowie Frau Renate Knigge-Tesche aus der Arbeitsgruppe Stolpersteine des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e.V. mit Wortbeiträgen zugegen.

Die Familie Loewenbaum/Freudenberger zog Anfang des vergangenen Jahrhunderts in das Haus Augustinerstraße 64-66, lebte dort und betrieb ein Großhandelsgeschäft für Rauch- und Tabakwaren. Die Stolpersteine erinnern an die fünf hier verbliebenen Familienmitglieder, die im Laufe des Jahres 1942 nach Zwangsumzügen in sogenannte Judenhäuser in Mainz in die Konzentrationslager Piaski und Theresienstadt deportiert und dort ermordet wurden. In Deutschland lebten und leben unserer Kenntnis nach keine Nachfahren von Angehörigen der Familie.

Der Geschäftsführer des ism, Dr. Christian Lenhart, macht deutlich: „Wir als ism – und das gilt für jede Mitarbeiterin, jeden Mitarbeiter, die Geschäftsführung und den Vorstand – haben den Anspruch an uns, für unsere pluralistisch-demokratische Gesellschaft einzustehen. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit darf nicht toleriert werden und für entsprechend schleichend verlaufende Normalisierungsprozesse von strukturellen Ausgrenzungen müssen wir in höchstem Maße sensibilisiert sein. Diese Stolpersteine konkretisieren Leid und Brutalität eines menschenfeindlichen Regimes, dessen Ausmaß sich sonst schnell im Abstrakten verliert. Sie weisen uns hin auf die Schicksale einzelner Menschen, die als Gruppe in ihrer Gesamtheit verfolgt und ermordet wurden und sie gemahnen uns eines: Nie wieder!“

Dr. Eva Stauf als Verantwortliche des ism-Projektes zur Verlegung der Stolpersteine betont: „Die Mitarbeitenden, die Geschäftsführung und der Vorstand des ism gedenken auf diese Weise den brutal aus ihren Leben gerissenen und ermordeten Opfern des Holocausts, Jeanette Loewenbaum (geb. Weil), Theodor Freudenberger, Alfred Loewenbaum, Ida Freudenberger (geb. Loewenbaum) und Channa Ruchla Loewenbaum (geb. Goldberg). Trotz des zeitlichen Abstandes und trotz dessen, dass niemand von uns diese Familie persönlich kannte, haben mich und uns die Recherchen und das Schicksal der Familie sehr bewegt. Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen ihnen gedenkenden Stolpersteinen ein wenig Respekt erweisen, der ihnen gerade zum Ende ihres Lebens hin versagt blieb.“

Prof. Dr. Werner Nell, Vorstand des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) e.V. ergänzt: „Auch aufgrund meiner familiären Biografie ist dies ein sehr bewegender Moment. Der Holocaust hat tiefe Wunden gerissen, deren Narben sich noch heute durch Familiengeschichten ziehen. Jeder Einzelne und Wir als Gesellschaft sind dazu aufgerufen, für diejenigen einzustehen und die Stimme zu erheben, die aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder sonst irgendeines Merkmals vermeintlich kollektiver Zugehörigkeit diskriminiert oder gar bedroht und verfolgt werden.“

Das ism gedenkt vor allem am heutigen Tag den Opfern des Nationalsozialismus und besonders der Familie Loewenbaum/Freudenberger.